Statement Grüne: Kurzfristiges Flicken und Lippenbekenntnisse lösen nicht die grundlegenden Probleme in den Schulen

Kultusminister Tonne hat heute Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung vorgestellt. Dazu erklärt Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende und schulpolitische Sprecherin:

„Der Fachkräftemangel an Schulen zeichnet sich bereits seit vielen Jahren ab und wir haben an Schulen mittlerweile ein riesiges Problem. Viel zu lange wurde diese Entwicklung nicht offen benannt und es wurde versucht, einzelne Pflaster auf drängende Fragen zu kleben. Das wird das Problem aber nicht lösen. Einzelne Maßnahmen des Kultusministers sind zu begrüßen, etwa die leichtere Anerkennung von im Ausland erworbener Abschlüsse und sogenannter Ein-Fach-Lehrkräfte, die Flexibilisierung von Fächerkombinationen im Studium, die Weiterqualifikation ohne Abzüge während der Berufsausübung und die Erhöhung der Bezüge im Vorbereitungsdienst. Aber es stellt sich die Frage, ob diese Maßnahmen dann auch wirklich so vollzogen werden und durchfinanziert sind. Wirklich wichtig wäre, dass diese dann auch wie versprochen kurzfristig Wirkung entfalten.

Skeptisch sind wir angesichts der Regelungen zum Quereinstieg. Richtig ist, dass Schulleitungen entscheiden sollen, wen sie einstellen und wen sie in der Schule brauchen. Fraglich ist, ob die Haltung „Einstellen, was geht“ den Schulen wirklich hilft. Denn Quereinsteigende sind erst einmal keine ausgebildeten Lehrkräfte und bringen somit eine Veränderung der Schule und auch durchaus Belastungen mit sich. Hier ist die Frage der Qualifizierung und Begleitung des Quereinstiegs von entscheidender Bedeutung. Der Mangel besteht und es muss jetzt kurzfristig im Übergang gehandelt werden, das ist klar. Den dauerhaften und verlässlichen Ausbau multiprofessioneller Teams und die Schließung der Ausbildungslücke hätten wir an dieser Stelle zielführender gefunden.

Herr Tonne geht die großen Stellschrauben fälschlicherweise nicht an: Weder sind für A13 sind Haushaltsmittel vorgesehen, noch ist es umgesetzt. Hier gibt es nicht mehr als Lippenbekenntnisse. Von einer Veränderung der Arbeitsbedingungen ist kaum die Rede. Die sonderpädagogischen Zusatzqualifikationen werden nur am Rande erwähnt und nicht grundständig mitgedacht. Die Veränderung des Studiums zu einer Stufenlehrerausbildung wird nicht in den Blick genommen, genauso wenig wie die Vorbereitung der Quereinsteigenden auf den Schulalltag. Ebenso passiert im Bereich der Bezifferung der Studienplatzkapazitäten und die Entwicklung von Perspektiven für Studienstandorte nichts. Noch immer laufen wir den Bedarfen an den Hochschulen weit hinterher und werden so auch perspektivisch die Mangelsituation nicht beheben.  Auch Berufsbildende Schulen spielen keine explizite Rolle, obgleich gerade hier im Bereich der Ausbildung und Lehrkräftegewinnung eine Menge passieren müsste. Insofern wird der Plan des Kultusministers den Knoten nicht durchschlagen. Vielmehr sind es wieder ein paar Pflaster, die die sich zuspitzende Problemlage an unseren Schulen leider nicht beheben werden.“

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